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Landespreis für Heimatforschung 2021 an "Tod am Schauinsland"

Landespreis für Heimatforschung geht an "Tod am Schauinsland"

Bernd Hainmüller

Tod am Schauinsland mit dem Landespreis für Heimatforschung 2021 ausgezeichnet

Das Buch „Tod am Schauinsland“ - Das ‚Engländerunglück‘ am 17. April 1936 und seine Folgen ist eine historische Dokumentation zur Freiburger Stadtgeschichte. Es erschien am 30. 3. 2021 im Rombach-Verlag Freiburg im Rahmen der Reihe „Alltag in der Provinz, Band 18, Herausgeber ist der Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg e. V. In der Reihe Alltag & Provinz erscheinen in zwangloser Folge Monographien und Sammelbände zu regionalgeschichtlichen Themen. Als Herausgeber möchte der Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg e.V. so für eine über die Universität hinaus-gehende Verbreitung von Arbeiten sorgen, die sich mit Geschichte vor Ort, hier und in anderen Regionen, auseinandersetzen. Die Erforschung der Lebenswelt in einer abgegrenzten Region und der Blick auf den Alltag der Menschen, der Erfahrung und Bewusstsein in großem Maße prägt, stehen im Vordergrund.

Anlass der Buchveröffentlichung

Der unmittelbare Anlass für die Buchveröffentlichung lag darin, dass am 19. Juni 2021 das Theater Freiburg ein von der englischen Autorin Pamela Carter geschriebenes Theaterstück „ The Misfortune of the English – Schauinsland“ welturaufgeführt hat. Mein Buch und das Theaterstück, bei dem ich eng mit Pamela Carter zusammengearbeitet habe, beruht auf einer rund zwanzigjährigen Forschungsarbeit an diesem Unglück. Ich habe dabei immer in enger Kooperation mit der Bevölkerung und der Ortsverwaltung von Hofgrund zusammengearbeitet, deren Werk als Retter der englischen Gruppe völlig in Vergessenheit geraten war, angesichts der nationalsozialistischen Propaganda-Maschine, die sich des Unglücks bemächtigt hatte und das Unglück für ihre außenpolitischen Zwecke instrumentalisierte. Das Buch ist die bisher umfangreichste Dokumentation und hat alle erreichbaren Unterlagen aus deutschen und englischen Archiven zusammengetragen. Als erster Schritt für einen Neuanfang aufgrund meiner Arbeit hat die Ortsverwaltung Hofsgrund im Jahre 2017 die Hinweistafeln an den drei „Erinnerungsmalen“ am Schauinsland ersetzt durch eine wahrheitsgetreue Schilderung der wirklichen Ereignisse. Jeder in Freiburg und die meisten Bewohner des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald kennt das „Engländerdenkmal“ am Schauinsland, ein touristischer Anziehungspunkt unterhalb des Schauinslandgipfels, aber nur wenige kennen den „Eaton-Gedenkstein“ oder die „Elternplakette“ an der Kirche in Hofsgrund. Drei „Erinnerungs-denkmale“, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Ereignis am 17. April 1936 stehen, dem das Buch nachgeht.

Vergil hat Denkmale als "Lacrimae rerum" bezeichnet, die Tränen der Dinge.

Und genau darum geht es: Es berichtet über den Marsch der englischen Schüler aus London an diesem Tag durch den tiefverschneiten Schwarzwald mit ihren katastrophalen Folgen, dem Tod von fünf Klassenkameraden. Anhand akribischer Detailrecherchen wird gezeigt, dass der englische Lehrer extrem leichtsinnig handelte und die Schüler auf grob fahrlässige Weise in den Tod schickte, indem er die Wetterbedingungen am Schauinsland extrem unterschätzte und sämtliche Warnungen vor einer Wanderung inmitten des aufziehenden Schneesturms buchstäblich in den Wind schlug. Doch scheiterten die Ermittlungen gegen ihn aus übergeordneten politischen Interessen: Vor dem Hintergrund der britischen „Appeasement“-Politik und den Bestrebungen Hitler-Deutschlands nach einem Bündnis mit England hatten weder Großbritannien noch Nazi-Deutschland irgendein Interesse an der Aufklärung des Falles von fahrlässiger Tötung. Stattdessen nutzten ihn die Nationalsozialisten, um einen großen Verbrüderungsschwindel zwischen der englischen und der deutschen (Hitler)Jugend zu inszenieren. Das Buch räumt auf mit den Legenden über ein „plötzliches Naturereignis“, dem die Schüler zum Opfer fielen und zeigt auf, wie die pädagogische Verantwortung im Umgang mit Schutzbefohlenen aus dem Ruder lief und was sich an diesem Tag tatsächlich am Schauinsland abspielte. Am 24. September 2021 teilte mir das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg mit, dass die Jury des Landespreises für Heimatforschung mein Werk für den 2. Preis 2021 vorgeschlagen hat. Das damit ausgelobte Preisgeld in Höhe von 2.500 € wird dafür verwendet, eine englische Übersetzung zu finden und das Buch im englischsprachigen Raum zu publizieren. Dazu werde ich eine Spendenaktion initiieren, die die geforderten Gesamtkosten in Höhe von ca. 8.000 € zusammenbringt. Dazu mehr in Kürze.


Am 19. November 2021 findet im Rahmen der baden-württembergischen Heimattage in Radolfzell die Preisverleihung statt.